Jan Heisterhagen, Preisverleihung

„Design Plus Award“ und Produkt Award „Badkomfort für Generationen“: Jan Heisterhagen nimmt zwei Auszeichnungen für ein Neuprodukt mit Select Technologie entgehen.

Neue Ideen auf Knopfdruck

„Schön ist Ehrensache. Doch heute ist Design ein Muss, und es geht um weit mehr als die äußere Hülle.“

Hansgrohe ist einer der Innovationsführer der Sanitärbranche. Rund 30 Prozent des Jahresumsatzes werden durch Neuprodukte eingespielt, die nicht älter als drei Jahre sind. Das nennt man „gut ausbalancierten Vitalitäts-Index“. Für diesen Standard brauchen die Schwarzwälder eine Menge guter Ideen und kreativer Köpfe. Einer von ihnen ist Jan Heisterhagen. Im Interview erklärt der Leiter des Produktmanagements bei der Marke Hansgrohe, wie man Designkonzepte entwickelt, die die Zukunft des Bads weltweit mitgestalten. Unabhängig vom Kundenalter und ohne zwischen Krank und Gesund zu unterscheiden.

Herr Heisterhagen – woher bekommen Sie eigentlich Impulse und zündende Ideen für Hansgrohe Neuprodukte oder Technologien?

Jan Heisterhagen: Es gibt ja heute vielfältige Kreativitätsmethoden und Inspirationsquellen. Zu entscheiden, welche davon Zündpotenzial hat, und auch zur Marke passt, das ist ein intensiver „Knetprozess“. So nennen wir das bei Hansgrohe. Gute Innovationen sind bei uns das Ergebnis von Teamarbeit, kontinuierlichen Prozessen und der Leidenschaft für das bessere Produkt. Ideen entwickeln wir in Strategie-Workshops und Design-Meetings, die interdisziplinär besetzt sind und unter der aktiven Leitung des Hansgrohe Vorstands und Markenchefs Richard Grohe stehen. Sie setzen sich zusammen aus Mitarbeitern, externen Kreativen, Konstrukteuren, Produktmanagern oder auch Vertriebsleuten. Alles Profis, die sich neben der Sanitärbranche in vielen Sparten und Produktfeldern auskennen. Aufgrund dieser Expertise haben wir übrigens eine ungewöhnlich niedrige Flop-Quote. Wenn wir aber von einer Idee wirklich überzeugt sind, dann realisieren wir sie auch mal aus dem Bauch heraus, ohne jemanden zu fragen. Und manchmal gehen wir zum Brainstorming einfach unter die Dusche.

Wirklich? Unter die Dusche?

J.H.: Ja. Es ist eine Sache, an der Werkbank zu stehen oder in Schlips und Kragen über das Duschen von morgen zu diskutieren. Aber eine ganz andere, in unserer Showerworld oder dem ShowerLab neue Prototypen oder Strahlarten „live am Körper“ zu spüren und dann weiter zu entwickeln. Vielleicht ist das bei uns anders als in anderen Branchen. Unsere Kunden sind ja unbekleidet. Im Bad ist der Mensch nackt, und beim Duschen hat er keine Brille auf. Da ist die Interaktion zwischen Mensch und Produkt besonders wichtig. Wir müssen nicht nur für das Design sorgen, sondern auch sicherstellen, dass Brausen oder Thermostate angenehm an der Haut sind, nicht zu heiß werden, keine scharfen Kanten haben. Sie müssen komfortabel für jedermann bedienbar sein und im Alltag funktionieren.

Hat sich die Hansgrohe Designphilosophie im Laufe der Zeit verändert?

J.H.: Dass unsere Produkte schön aussehen, ist Ehrensache. Seit den 70er Jahren ist Hansgrohe der Designpionier in der Sanitärbranche. Das half dabei, uns von Wettbewerbern zu differenzieren. Doch heute ist Design ein absolutes Muss, und dabei geht es um weit mehr als die äußere Hülle. Design ist vielmehr die Summe aus Optik, Funktion, Material, Bedienung und Erlebnis. Inzwischen sprechen wir von Designqualität. Verbraucher werden immer sensibler, was Produktgestaltung angeht, nicht nur bei der Wahl ihrer Autos. Alle Wettbewerber haben das inzwischen erkannt. Wir orientieren uns heute in der Entwicklung von Neuprodukten viel stärker „vom Menschen zum Produkt“ hin, nicht umgekehrt.

Was bedeutet das?

J.H.: Wir suchen nach überzeugendem Nutzen, besserem Komfort, richtiger Innovation. „Me-too“-Produkte sind für uns keine Herausforderung; wir wollen neue Akzente setzen. Als Produktmanager setzt man sich stets damit auseinander, was die Zielgruppe will und braucht. Der Wurm muss schließlich dem Fisch schmecken und nicht dem Angler! Außerdem orientieren wir uns heute stärker an den internationalen Märkten. Wir entwickeln nur noch Produkte, die weltweit funktionieren, zeitlos sind und das Stilempfinden globaler Märkte treffen.

Raindance Select Showerpipe

Hansgrohe findet: Generationenübergreifende Bedienkonzepte dürfen ruhig attraktiv sein.

Ideenfindung bei Hansgrohe am Beispiel Select

Bilder
  • Gespräch bei Phoenix Design
  • Tom Schönherr präsentiert
  • Testduscher in Showerworld
  • Handbrause mit Select-Knopf
  • Finger, Thermostat Select-Knopf
  • Hand auf ShowerTablet Select

Anders als bei Smartphones oder Soundsystemen kaufen sich Ihre Kunden nicht alle paar Jahre ein neues Bad. Wie wirkt sich das auf die Produktentwicklung aus?

J.H.: Aus diesem Grund fertigt Hansgrohe keine trendigen, von Moden abhängigen Produkte, sondern solche, die über viele Jahre Bestand haben. Es gibt eine erste Phase, zwischen 30 und 40 Jahren, in der Menschen verstärkt „Nestbau“ betreiben. Hier werden Wohnungen gekauft, Häuser gebaut, Bäder gestaltet. Hier wünschen sich Kunden individuelle Designlösungen und höchsten Familienkomfort. Alles muss passen und lange halten. In der zweiten Phase – so zwischen 50 und 60, wenn die Kinder aus dem Haus sind – schaut man beim Renovieren oder Umbauen schon auf die Herausforderungen des Alters. Oft werden die Eltern im Haus gepflegt. Das „Generationenbad“ wird von vielen jüngeren Menschen schon vorausschauend geplant. Auch deshalb ist es Hansgrohe wichtig, altersunabhängige Produkte und Bedienkonzepte anzubieten.

Stichwort: Generationenbad. Worauf kommt es dabei an?

J.H.: Unser Fokus liegt weniger auf speziellen Produkten für Senioren oder in ihrer Bewegung eingeschränkten Menschen. Die Erfahrung lehrt uns vielmehr: Alle wollen es im Bad schön haben. Die Devise bei Hansgrohe lautet: „Das geht auch in schön.“ Man soll dem Bad doch nicht ansehen, dass seine Benutzer alt, behindert oder in irgendeiner Weise beeinträchtigt sind! Senioren wollen keine Seniorenprodukte. Gerade erfahrene Menschen haben oft einen hohen Anspruch an Qualität, Bedienung und Gestaltung, den wir erfüllen wollen. Deshalb entwickeln wir Produkte und Technologien, die für alle funktionieren. Wir versuchen, die Kundenbedürfnisse zu verstehen und sie formschön in unsere Produkte zu integrieren.

Was für Produkte sind das?

J.H.: Zum Beispiel die neuen Raindance Select Produkte. Sie integrieren den intuitiven Knopfdruck, der bei Design- und Gebrauchsgegenständen so beliebt ist, in die Badwelt. Der Select Knopf hat hohen Benutzerkomfort für Groß und Klein. Für Menschen mit Sehbehinderung ist er ebenso leicht zu bedienen wie für jene, die ihre Hände nicht so gut bewegen, ihre Arme nicht mehr richtig hochheben können. Die Select Produkte sind mit großen Symbolen auf kontrastreichem Hintergrund beschriftet. Man kann sie bedienen ohne hinzuschauen – oder gar den Ellbogen zur Hilfe nehmen.

Vom Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima gab’s für den ShowerSelect Unterputz-Thermostat einen Award. Was hat der Jury besonders gefallen?

J.H.: Im Grunde bestätigt die Jury-Entscheidung, dass unsere Strategie aufgeht. Der ZVSHK möchte herausragende Produkte fördern, die nicht das Stigma eines „Krankenzimmers“ haben. Der Produkt Award bewertete den „Badkomfort für Generationen“. Die entscheidenden Pluspunkte für die Jury waren: ästhetische Gestaltung, Nutzerfreundlichkeit und generationenübergreifende Produkteigenschaften, die Menschen mit und ohne körperlichen Einschränkungen entgegenkommen. Die Idee zur Select Serie hatten wir übrigens, als wir in Straßburg am Flughafen wegen Schneetreibens festsaßen. Wie gesagt: Es gibt sie, diese Ideen, die direkt aus dem Bauch heraus zünden …

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Katja Volkmer, freie Journalistin, München.

Jüngste Innovationen und Bad-Konzepte

Bilder
  • PuraVida Elektronikarmatur
  • Metris Highriser
  • ComfortZone bei Hansgrohe
  • Metris Küchenmischer
  • Raindance Lift Duschpaneel
  • Axor Starck Organic
  • Unika Brausestange

Hansgrohe verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, ohne Ihre Einstellungen zu ändern, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

   

OK